Chef im Kopf – Chef im Leben
Wie im ersten Teil des Beitrages bereits angedeutet, besteht der erste Schritt zur konstruktiven Nutzung der eigenen Gedanken in der Erkenntnis, dass wir nicht unsere Gedanken sind, sondern diese haben.

Von etwas, was wir lediglich haben, können wir uns natürlich jederzeit distanzieren und bei Bedarf auch trennen. Mit anderen Worten können wir uns bewusst entscheiden, ob wir die Gedanken, die wir gerade in unserem Kopf „beherbergen", tatsächlich beibehalten wollen.

Wir können uns entscheiden, bestimmte Gedanken nicht länger zu verfolgen, andere Gedanken zu denken oder eine bestimmte Gedankenrichtung zu intensivieren.

Wir können uns insbesondere dazu entscheiden, die Macht der Gedanken umfassend zu unserem Wohle zu nutzen und damit zum unbestreitbaren Chef in unserem Leben werden.

„Eigentlich"...
Wie immer im Leben, fängt es mit einer bewussten Entscheidung an. Erst wenn Sie sich – wirklich – entschieden haben, der Chef in Ihrem Leben sein zu wollen, hat es Sinn, sich auf den Weg zu machen.

Sie können bei sich selbst wie auch bei anderen Menschen recht leicht feststellen, ob Sie sich tatsächlich bereits entschieden haben – oder ob Sie sich noch im Entscheidungs- oder Entscheidungs-Vermeidungsprozess befinden.

Achten Sie einfach auf die vielen kleinen verräterischen Wörter, die dem nicht entschiedenen Menschen völlig unbewusst entgleiten.
Formulieren Sie Ihre Absicht mit „eigentlich" und „hätte", „würde", „könnte", „sollte"? Beziehen Sie eindeutig Stellung mit der Formulierung „ich" oder verstecken Sie sich und Ihr Vorhaben mit dem Wörtchen „man"?

Die Übernahme der Chefposition erfordert zum einen den bewussten und uneingeschränkten Abschied von der für manche Menschen sehr attraktiven „Opferrolle", in der sie immer anderen Menschen und Umständen die Schuld an dem geben können, was in ihrem Leben geschieht.

Zum anderen erfordert es die uneingeschränkte Übernahme der Verantwortung für das eigene Leben.

Die Belohnung für ein selbstverantwortlich geführtes Leben besteht in einem unvergleichlich viel reicheren, erfüllteren und glücklicheren Leben.
Denn nur, wer sich als eigenverantwortlich wahrnimmt, kann sich selbst für bestandene Herausforderungen und erreichte Erfolge die adäquate, soll heißen umfassende und uneingeschränkte Anerkennung geben, die er in der Tat verdient hat.

Wach und bewusst leben
Ist die Entscheidung gefallen, geht es an die praktische Umsetzung des „Unternehmens Chefposition".

Diese beginnt mit der bewussten und wachen Wahrnehmung dessen, was im eigenen Leben wirklich passiert – im Außen wie im Innen.

Die meisten Menschen glauben, sie gingen „natürlich" bewusst durch ihren Alltag und würden „selbstverständlich" mitbekommen, was in ihrem Leben tatsächlich geschieht.
Diese Menschen unterschätzen den Einfluss des Unterbewusstseins auf Ihr Leben restlos: Weite Bereiche unseres Alltages sind wir nämlich gleichsam vom „Autopiloten" unseres Unterbewusstseins gesteuert. Und während wir behaupten, alles bewusst mitzubekommen, laufen wir tatsächlich vom Unterbewusstsein „ferngesteuert" durch unser Leben.

Die ältere Forschung spricht von 95 %, die uns das Unterbewusstsein jeden Tag steuert. Die neuere Forschung geht von einem noch höheren Wert aus!

Was in vielen Bereichen unseres Lebens von Vorteil ist oder zumindest in keiner Weise schadet, ist in anderen Stellen höchst nachteilig (Die Macht der Gedanken 3) und behindert in jedem Fall die bewusste Wahrnehmung dessen, was wirklich ist.

Erste Aufgabe des „Chef-Aspiranten" ist es also, sich immer wieder selbst daran zu erinnern, nach innen und außen wach zu sein. Sobald man sich daran erinnert, ist der „Autopilot" abgeschaltet und die „Gefahr" des unbewussten, automatischen und gewohnheitsmäßigen Tuns gebannt.

Die nächste Aufgabe besteht dann in der generellen Steigerung der Achtsamkeit im täglichen Leben, die einen sofort mit einer viel reicheren und tieferen Wahrnehmung des gegenwärtigen Augenblickes beschenkt.

Die wahre Macht der Gedanken
Wozu die Mühe? Was kann mir das schon bringen? Was können Gedanken schon bewirken!?!
Letztlich muss ich ja doch weiter das tun, was ich tun muss – die mir gestellten Aufgaben erfüllen, meine Arbeit tun, Pflichten erfüllen, Termine einhalten...! Was soll da all das schon nützen?

Sollten Sie jetzt derartige Gedanken hegen, dann
1. nehmen Sie bewusst wahr, dass Sie diese Gedanken haben
2. distanzieren Sie sich bewusst von diesen Gedanken und seien Sie
3. offen für und gespannt auf den 3. Teil dieses Beitrages, in dem es um die enorme Macht der Gedanken geht.

 

Cogito ergo sum.


Ich denke, also bin ich, sagte einst Descartes und heute sind wir sehr stolz auf unseren rationalen Verstand und unsere Fähigkeit, zu denken.
Dabei tritt im Allgemeinen die Frage, ob wir „wirklich" und „richtig" denken, völlig und völlig zu Unrecht in den Hintergrund.

Es denkt uns
Viele Menschen klagen heutzutage darüber, nicht mehr „abschalten" zu können, keine Ruhe mehr zu finden oder nicht einschlafen zu können.

Und all das nur, weil es in ihrem Kopf ständig „rattert", der unaufhörliche Strom von Gedanken Sie in permanenter Aktivität, Anspannung und Unruhe hält. Wie sinnvoll das ist, was dabei in unseren Köpfen abläuft, mag jeder für sich beurteilen, da jeder von uns dieses Phänomen nur all zu gut kennt.

Wenn wir ehrlich sind, müssen wir zugeben, dass wir – sehr oft – ebenso wenig denken, wie wir verdauen, Kreislauf machen oder Blutdruck erzeugen. Vielmehr „geschieht" uns das Denken einfach, wir „werden gedacht" und nur deshalb können wir von diesem Denken auch so „mitgerissen" werden.

Gut drauf?
Interessanter Weise ist dieser permanente „mentale Lärm" bei sehr vielen Menschen zudem leicht negativ eingefärbt. Durch Sorgen oder Ängste die Zukunft betreffend. Durch Bedauern oder schlechtes Gewissen wegen vergangener Ereignisse. Oder durch Zweifel an den eigenen Fähigkeiten oder gar dem eigenen Wert im Allgemeinen.

So kann man nur all zu oft beobachten, wie es viele Menschen sehr gut verstehen, sich „schlecht drauf" zu bringen.

Die individuelle Wirklichkeit ensteht nun einmal erst im Kopf jedes Einzelnen. Und wenn dort ständig der „Fallout" negativer Gedanken auf alle Wahrnehmungen fällt, kann sich daraus nur ein ebenso unschönes und negatives Lebensgefühl entwickeln.

Ich bin – obwohl ich denke!
Die Macht der Gedanken ist zunächst einmal eine Tatsache, sie ist weder gut noch schlecht, sie IST lediglich. So, wie auch die Welt da „draußen" außerhalb unserer Köpfe zunächst einmal nur IST: Weder gut noch schlecht, weder angenehm noch unangenehm.
Erst unsere Bewertungen, also unsere Gedanken machen etwa Regen unangenehm und Sonne angenehm – oder eben doch unangenehm, wenn wir gerade arbeiten müssen, oder...

Wie aber können wir die zweifellos gegebene Macht unserer Gedanken sinnvoll, positiv und zu unserem Nutzen und Wohlbefinden anwenden?

Der erste Schritt in diese Richtung besteht in der Erkenntnis, dass wir NICHT unsere Gedanken SIND! Wir können inneren Abstand zu unseren eigenen Gedanken herstellen und wahrnehmen, dass wir denken, während wir denken. Je besser uns dies gelingt, umso weniger sind wir dem „mentalen Lärm" ausgeliefert. Vielmehr werden wir zunehmend zum Chef in unserem Kopf und damit vom „Hirnbesitzer" zum „Hirnbenutzer" (V. Birkenbihl).

Für Eilige
In vier Schritten zur mentalen Meisterschaft

1. Klar und bewusst wahrnehmen, was tatsächlich ist – frei von eigenen Gefühlen und Interpretationen, z.B. mit Hilfe von Achtsamkeitsübungen. Tipp 1 + 2
2. Zur Kenntnis nehmen, dass Sie nicht Ihre Gedanken und Gefühle sind, sondern dass Sie diese Gedanken und Gefühle haben und dass Sie damit auch die Möglichkeit haben, all das zu beeinflussen. Tipp 3
3. Unerwünschte Verhaltensmuster und negative Glaubenssätze entlarven. Tipp 4
4. Bewusst auf Gedanken und Gefühle Einfluss nehmen. Aus unerwünschten Gedanken und Gefühlen aussteigen und erwünschte Gedanken und Gefühle wachrufen, halten und verstärken. Tipp 5